Was ich gelernt habe.

von Kathy Lorentzen
https://www.dogchannel.com/dogsinreview/what-i-have-learned-in-45-years-as-a-breeder.aspx
Übersetzung in das Deutsche leider nur von mir, Klaus Holzmann

  1. Beginnen sie langsam.
Ungeachtet wieviel Sie denken bereits zu wissen, wahrscheinlich wissen sie als Neuling nicht sehr viel. Je schneller sie beginnen desto mehr Fehler werden sie machen und umso mehr Pfusch müsssen sie später beseitigen. Planen sie ihre ersten Würfe mit größter Sorgfalt und Unterstützung durch ihren Mentor und nehmen sie sich Zeit sie aufwachsen zu sehen bevor sie weiter züchten. Das Warten und Beobachten der Würfe wird sie mit einem Wissen erfüllen, das sie vorher nie vermisst haben.

2. Glauben sie an das Überleben des Stärkeren.
Das ist eine der schwierigsten Dinge, die ein Züchter lernen muss, aber auch eines der entscheidensten. Einen Welpen um jeden Preis zu retten, den die Natur nicht überleben lassen würde, bringt nichts ausser Kummer. Ich habe beim Versuch einen Welpen nach dem Motto zuretten: koste es was es wolle, noch nie ein glückliches Ende erlebt.

3. Hören sie sich die Meinung Gleichgesinnter an.
Die gegenteilige Meinung eines erfahrenen Züchters könnte sie veranlassen mal über was gänzlich anderes nachzudenken. Niemand sagt, dass sie tun müssen, was andere Leute sagen, aber seien sie immer offen für das was man ihnen sagt.

4.Verfallen sie nicht dem Häufig-Genutzter-Deckrüden-Syndrom.
Es passiert immer wieder. Zehn andere Leute züchten mit einem Rüden, deshalb denken sie auch mit ihm züchten zu müssen. Halten sie ein und fragen sie sich, warum sollte ich mit diesem Rüden züchten. Sind sie mit mehreren Generationen auf der Ahnentafel dieses Rüden vertraut? Hat er gemeinsame Vorfahren mit ihrer Hündin, die bekannterweise Eigenschaften hatten, die sie für ihren Wurf suchen? Haben sie den Rüden und einige seiner Nachkommen in den Händen gehabt? Hat er (oder seine Nachkommen) Stärken, die sie suchen? Falls er ein totaler Outcross für sie ist, ist er wenigstens der gleiche Typ wie ihre Hündin? Sind sie nicht nur mit seinem Gesundheitszeugnis sondern auch mit dem seiner Eltern, Großeltern und Geschwistern zufrieden? Wenn sie sich gezwungen haben alle diese Fragen ehrlich zu beantworten, kommen sie vielleicht zu dem Ergebnis, dass er doch nicht der Richtige für ihre Hündin ist.

5. Hören sie auf ihren Bauch, nicht auf ihr Herz.
So schwierg es auch sein mag, aber lassen sie keine Sentimentalität bei züchterischen Entscheidungen zu. Es ist mir egal ob ihre beste Freundin einen Rüden hat, den sie ihnen zum Züchten vorschlägt; falls er nicht der richtige Rüde ist, sagen sie Nein. Es ist mir egal falls sie einen einzelnen Welpen aufgezogen haben und unglaublich an ihm hängen; falls er nicht die Qualität hat, um sie in der Zucht weiterzubringen, finden sie ein liebes Zuhause für ihn. Es ist mir egal falls sie zwei Hunde besitzen, die sie absolut lieben; falls sie nicht die richtige Verpaarung sind, dann verpaaren sie sie nicht miteinander. Falls jemand von ihnen einen Hund kaufen will, ihr Bauch sagt aber nein, weil es keine gute Idee sei, dann wette ich mit ihnen, dass es eine schlechte Idee war. Sagen sie einfach Nein. Nein sagen zu lernen ist sehr wichtig. Lassen sie sich zu nichts zwingen von dem ihr Herz und Bauch sagen, dass es falsch sei. Sie können nett sein und trotzdem zur gleichen Zeit Nein sagen. Es ist ein Wort, das ihnen viel nützen wird.

6. Halten sie sich ihre eigenen Deckrüden.
Nachdem ich 50 jahrelang die erfolgreichsten Züchter vieler Rassen beobachtet habe, bin ich fest davon überzeugt, dass es für ihre Hundefamilie besser ist wenn sie sich ihre eigenen Zuchtrüden züchten, um sie mit ihren Hündinnen zu verpaaren. Bilden sie zwei Linien von Hunden, die lose verbunden sind und entfernt genug um vor und rückwärts mit ihnen züchten zu können. Behalten sie die Eigenschaften, die in ihrer Rasse als kritisch hervorgehoben sind in beiden Linien, aber unterscheiden sie den Typ in beiden Linien etwas. Beispiel: Man kann nicht dauernd elegant mit elegant verpaaren ohne eventuell bei Größe und Substanz zu verlieren. Falls ihre Rasse stark und außerdem elegant sein soll, kann man Größe und Substanz halten und zusätzlich die nötige Eleganz halten wenn man in zwei Linien züchtet, von der eine mehr elegant ist und die andere mehr kompakt, stärkere Knochen und Rippen hat. Die Mischung der beiden Linien führt zu einem Ergebnis, das einen besonderen Ausdruck ergibt, der als von ihrem Zwinger komment wiedererkannt wird. Ihre Hunde werden sich mit ehrlicherer und dauerhaft höherer Qualität vermehren als wenn man einige Zuchthündinnen halten würde und diese immer landesweit mit Zuchtrüden verpaart, die gerade dem Geschmack des Monats entsprechen.

7. Das Wissen neues Blut in ihr Programm zu bringen.
Offensichtlich muss man mindestens einen teilweisen Outcross in die Hundefamilie einbringen. Vor langer Zeit habe ich von einem erfahrenen Züchter gelernt, dass man die richtige Zuchthündin mit den eigenen Zuchtrüden verpaart. Wählen sie sehr sorfältig aus. Kaufen sie eine Hündin vom gleichen Typ wie ihre Hunde, deren Ahnentafel einige gemeinsame Vorfahren mit ihren Hunden hat und stellen sie sicher, dass sie (hoffentlich) mindestens für zwei ihrer Zuchtrüden passt. Falls sie nach einer Eigenschaft suchen, die irgendwie in ihrem Zuchtprogramm zu kurz gekommen ist, dann versicheren sie sich, dass nicht nur sie sondern auch ihre Ahnentafel voll mit Hunden ist, die diese Eigenschaft besitzen. Dann, wenn sie sie mit ihren Rüden verpaaren, suchen sie jene aus, die diese Eigenschaft haben und bringen sie diese in ihre Linie zurück. Auf diese Art verlieren ihre Hunde nicht ihren Ausdruck und sie haben neues Blut und neue Kraft in ihre Blutlinien gebracht.

8. Schauen sie oft zurück, aber gehen sie nie rückwärts.
Den Vorteil Samen von längst verstorbenen Rüden nutzen zu können hat den Züchtern neue, nie da gewesene Möglichkeiten eröffnet. Es ist eine Sache den gefrorenen Samen eines ihrer eigenen Hunde zu benutzen, eine andere ist es die eines Hundes, den sie nur gut gekannt haben. Es ist etwas ganz anderes den gefrorenen Samen eines Rüden zu nutzen, den ihre Augen nie gesehen haben. Eine Vorhersage zum Ergebnis einer solchen Verpaarung ist nicht möglich und könnte ein riesiger Schritt rückwärts sein. Ich habe auch beobachtet wie einige Züchter Samen von ihren verstorbenen Rüden immer wieder und wieder benutzt haben, was in einer Zucht endet, die nicht vorwärts kommt. Das Ergebnis einen einzelnen Rüden immer wieder zu benutzen ist der allgemeine Qualitätsverlust innerhalb der Hundefamilie. Züchten bedeutet sich mit jeder Generation nach vorne zu bewegen, meiner Meinung nach, und wenn es gelegentlich eine wunderbare Sache sein kann die Dosis eines längst verstorbenen Rüden zu haben, kann ein Zuviel in den Ruin führen.

9. Kommen sie mit ihren Fehlern klar.
Jeder macht Fehler, aber wichtig ist was sie tun um sie zu beseitigen und zu verhindern den selben Fehler wieder zu machen, das erst macht sie zu einem Züchter. Interessieren sie sich zu erst für die Rasse, nicht für die eigenen Hunde. Folgen sie diesem Pfad und sie werden ihre Rasse gesund, wohlbehalten und voller Qualität der nächsten Generation Züchter überlassen. Ehrlichkeit währt am Längsten bei der Hundezucht. Falls sie ein Problem haben, stehen sie dazu und vielleicht retten sie so einen anderen mit ähnlichem Schicksal.

10. Seien sie gerecht beim Richten.
Zuerst möchte ich sie bitten das Wort "dumped" [weggeworfen] aus ihrem Wortschatz zu streichen. Nur weil ihr Hund nicht gewinnt, heißt das nicht, dass er weggeworfen gehört. Ich habe dieses Wort nie leiden können und nie im Zusammenhang mit Richten benutzt. Versuchen sie selber herauszufinden wonach einige Richter schauen. Unterschiedliche Leute haben unterschiedlichen Prioritäten und diese Prioritäten zu verstehen wird ihnen beim Entschlüsseln der Richterentscheidungen helfen. Falls sie glauben eine berechtigte Frage zu haben, warum ihr Hund von einem anderen besiegt wurde, dann ist es nicht falsch sich dem Richter während einer Pause (mit dem Hund an der Leine) zu nähern und zu fragen. Bitte beginnen sie die Unterhaltung aber nicht mit "Was haben Sie an meinem Hund auszusetzen?" Stattdessen fragen Sie warum der andere Hund besser beurteilt worden ist. Versuchen Sie aus dem Gespräch eine positive Lernerfahrung zu machen. Sollten Sie meinen, dass dauernd die Hunde einer einzelnen Familie ihre besiegen, dann setzen sie sich und beobachten sie diese Hunde und versuchen sie zu verstehen warum. Sollten ihre Hunde nicht gewinnen denken sie nicht sofort an Politik. Meistens stimmt es einfach nicht. Informieren sie sich über ihre Rasse, wie sie am besten zu trainieren, zu pflegen und zu präsentieren ist und dann treten sie eine Schritt zurück und fragen sie sich selbst, ob ihre Hunde es wirklich wert sind in einem guten Wettkampf zu gewinnen. Fragen sie erfahrene, erfolgreiche Züchter um Rat. Wir möchten, dass sie dabei bleiben, nicht frustriert werden und weggehen, weil ihre Hunde nicht gewinnen. Wir möchten, dass sie lernen, gute Hunde haben und sich zur nächsten Generation wissender Züchter entwickeln, so dass wir erleichtert aufatmen können, wenn wir Ihnen das Lenkrad unserer Rasse überlassen.